STELLUNGNAHME ZU EINER PRESSE- MITTEILUNG DER CREATON AG ZU EINER ÖKOBILANZ VON DACH-STEINEN DES ÖKO-INSTITUTS FREIBURG
Dienstag, 30. September 2008
Die Creaton AG hat am 11. September eine Pressemitteilung veröffentlicht, die inhaltlich auf die vom renommierten Öko-Institut Freiburg im Auftrag der Monier Group erstellten Ökobilanz für Dachsteine eingeht.
Creatons Pressemitteilung versucht, die Ökobilanz des Öko-Instituts Freiburg als fragwürdig darzustellen. Dies kann jedoch, wenn man bei den Fakten bleibt, nicht gelingen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: An keiner Stelle kann Creaton die Ergebnisse des Öko-Instituts Freiburg widerlegen. Alle Kern- und Einzelaussagen bleiben unwidersprochen, vielmehr muss selbst Creaton den deutlich höheren Energieaufwand für die Produktion von Dachziegeln betonen.
Nachfolgend gehen wir auf einzelne Passagen der Pressemitteilung (kursiv gedruckt) von Creaton ein.
“Während der Betondachstein mittels Zement auf chemische Art gebunden wird und bei lediglich 60 Grad Celsius vollständig aushärtet, geht der Tondachziegel im Brennofen eine natürliche keramische Bindung ein, und dazu ist eine Hitzentwicklung von ca. 1.000 Grad Celsius nötig.”
Creaton versucht, durch die Adjektive „chemisch“ (Dachstein) und „natürlich“ (Ton-Ziegel) den Eindruck zu erwecken, der Ton-Ziegel sei ein “natürlicheres“ Produkt als der Dachstein. Doch das ist nicht richtig. Keramik kommt in der Natur ebenso wenig vor wie Beton. Beide Materialien müssen von Menschenhand erschaffen werden.
“Als Ergebnis erhält man aber ein High-Tech-Produkt, das absolut farbbeständig ist und eine natürliche Feuchteregulierung besitzt, die auch die Dachunterkonstruktion dauerhaft schützt.”
Ein Dachziegel ist genauso viel oder wenig ein „High-Tech“-Produkt wie ein Dachstein. Der technische Aufwand für die Produktion ist bei beiden Produkte vergleichbar. Auch die Farbbeständigkeit von Dachsteinen der neueren Generation steht der Farbbeständigkeit von Dachziegeln in nichts nach. Dachsteine wurden in der Vergangenheit mehrfach qualitativen Weiterentwicklungen unterzogen. So gibt es beispielsweise die Schmutz abweisende Star-Technologie von Braas bereits seit 2001.
"Schutz durch Feuchteregulierung" soll hier wohl bedeuten, dass auch Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren oder durch Flugschneeeintrieb usw. durch den Dachziegel nach außen schnell genug diffundiert. Das ist keineswegs der Fall. Gerade deswegen muss ein Dach ja hinterlüftet werden, auch ein mit Dachziegeln eingedecktes Dach.
Dachsteine unterliegen übrigens genauso wie auch Dachziegel einer „natürlichen Feuchteregulierung“ mit dem Unterschied, dass Dachsteine deutlich weniger Wasser aufnehmen. Dies ist auch der Grund für eine höhere Frostbeständigkeit der Dachsteine im Vergleich zu Dachziegeln.
“…denn erfahrungsgemäß haben Tondachziegel eine erheblich längere Nutzungsdauer auf dem Dach als Betondachsteine. Zwar werden auf beide Produkte häufig Garantien von 30 Jahren gegeben, jedoch werden viele Dachsteindächer wegen einer verhältnismäßig schnellen optischen Alterung bereits nach 20 bis 40 Jahren neu eingedeckt, während hingegen der Tondachziegel meist eine mehr als doppelt so lange Nutzungsdauer aufweist.”
Hier kann beim Leser ein falscher Eindruck entstehen. Eine längere Nutzungsdauer von Dachziegeln im Vergleich zu Dachsteinen ist nicht bewiesen. Die ersten Dachsteine aus Zement wurden 1844 in der Kroher Zementfabrik im bayrischen Staudach auf Handschlagtischen hergestellt. Noch heute gibt es Dächer, die seit mehr als 150 Jahren mit dem Dachstein „Staudacher Raute“ eingedeckt sind. Und 45% der Dachflächen in Deutschland bestehen aus älteren Dachsteinen, die ihre Funktion als “Panzer” auf dem Dach immer noch erfüllen.
Ebenso wie Dachsteine unterliegen auch Dachziegel einem natürlichen Alterungsprozess und können im Laufe der Zeit vergrünen. Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Ziegeldach zeigen folgendes Begrünungsverhalten von unterschiedlichen Bedachungsmaterialien:
Vgl. Grafik 1 [rechts] : Begrünungsverhalten unterschiedlicher Bedachungsmaterialien
Quelle: ARGE Ziegeldach, 1997
Hieraus geht hervor, dass ein beschichteter Dachstein genau so gut abschneidet, wie ein glasierter Dachziegel (und sogar besser als ein naturroter oder engobierter Dachziegel!) und in etwa das gleiche Begrünungsverhalten aufweist
(Quelle: „Grünbildung“. Eine Schrift der ARGE Ziegeldach, Bonn 1997. www.ziegeldach.de/content/info/schriften/pdf/gruenbildung.pdf) . Creaton ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach.
“Ein weiterer interessanter Punkt ist auch die Tatsache, dass zur enorm energieaufwendigen Zementherstellung für den Betondachstein unter anderem Altreifen, Altfette sowie Tiermehle und andere Abfallprodukte als Brennstoff verwendet werden. Wobei davon Sekundärbrennstoffe nur teilweise in der „Öko-Bilanz“ berücksichtigt werden.”
In der Ökobilanz wurde auch die Bereitstellung der Rohstoffe (bei Dachsteinen somit die Zementherstellung und hierfür auch Sekundärbrennstoffe) berücksichtigt. Hierbei kam das Öko-Institut zu folgendem Ergebnis:
Vgl. Grafik 2 [rechts] : Bereitstellung der Rohstoffe für Dachsteine und Dachziegel
Quelle: Öko-Institut Freiburg
Es wird deutlich, dass Dachsteine bei der Bereitstellung der Rohstoffe aufgrund der energieaufwändigen Zementherstellung schlechter abschneiden.
Bei der Produktion der Dachziegel wird jedoch mehr als das Dreizehnfache der Energie aufgewendet als beim Dachstein. Den Energieaufwand insgesamt betreffend schneiden Dachsteine deutlich besser ab: Für die Rohstoffbereitstellung, Produktion, Verpackung und Auslieferung des Dachsteins wird im Vergleich zum Dachziegel nur etwa 30 Prozent der Energie verbraucht.
Der Verweis auf die Verbrennung von Abfällen zur Energiegewinnung für die Herstellung des Zements ist korrekt und gilt als Beitrag zum aktiven Umweltschutz. Es müssen weniger wertvolle fossile Energieträger wie Kohle und Schweröl eingesetzt werden. Mit der Verwendung CO 2-neutraler alternativer Brennstoffe wie Trockenklärschlamm, Tiermehl oder Altreifen fand die Zementindustrie einen von Behörden und Umweltverbänden anerkannten Weg, einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz und zur Reduzierung von CO 2 zu leisten.
“Dadurch, dass jedes Werk unterschiedlich ist und dementsprechend auch differenzierte Werte aufweist, ist letztendlich auch eine pauschale ökologische Bewertung in der Form eines „Ökobilanziellen Vergleichs“ zumindest fragwürdig.“
Die durchgeführten Bilanzierungen des Öko-Instituts basieren sowohl auf allgemeinen Daten (etwa Energiebereitstellung und Transportprozesse sowie Herstellung wichtiger Vorprodukte wie beispielsweise Zement) als auch auf spezifischen Daten, die von Monier bereit gestellt wurden. Die Qualität der zugrunde gelegten Daten wird als angemessen beurteilt, und es gibt somit keinen Grund, die Arbeit des anerkannten Ökoinstituts als fragwürdig zu bezeichnen.
Die Marke Braas
Braas ist die bekannteste Marke bei Dachbaustoffen in Deutschland, die zurzeit an 16 Standorten bundesweit von Monier produziert und vertrieben wird.
Die Monier GmbH, Eigentümerin der Marke Braas, ist ein Unternehmen der Monier Gruppe. Die Leidenschaft für Qualität und die besten Services für die Kunden machen Monier zum weltweit führenden Hersteller von Bedachungen für das geneigte Dach und Schornsteinsysteme. Das Unternehmen ist in 46 Ländern aktiv und produziert an mehr als 200 Standorten.


